Zunahme der Hirntumore bei Handy-Vieltefonierern
Risiko steigt um 39 Prozent
Hinweise, nach denen Mobiltelefonieren eine Zunahme der Hirntumore bei Menschen zufolge haben kann, verdichten sich. Das berichtet die 'Süddeutsche Zeitung' (Mittwochsausgabe) aus einer Untersuchung, die vor wenigen Tagen im 'International Journal of Cancer' erschienen ist. Anna Lahkola von der finnischen Strahlenschutzkommission hat mit Kollegen aus Schweden, Dänemark, Norwegen und Großbritannien ca. 1.500 Patienten mit einem Gliom befragt. Wenn sie länger als zehn Jahre ein Handy benutzt hatten, war ihr Risiko eines Glioms auf der Seite, wo sie das Gerät normalerweise an den Kopf hielten, um 39 Prozent erhöht, so das Blatt.
Der Schwede Lennart Hardell vom Universitätshospital Örebro hatte bei Menschen, die eines der aktuellen digitalen Handys insgesamt mehr als 2.000 Stunden benutzt haben, sogar eine Zunahme des Risikos auf das 3,7-fache ermittelt. Hardell steht mit diesen Daten aber relativ allein da; seine Kollegin Maria Feychting vom Karolinska-Institut in Stockholm wundert sich, dass er stets nach kürzerer Zeit stärkere Effekte findet als der Rest der Fachwelt.
Wie der Epidemiologe Eberhard Greiser, ehemals Leiter des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin, der Zeitung sagte, macht es biologisch Sinn, "dass die Effekte erst nach zehn Jahren Gebrauch zu erkennen sind. Tumore brauchen lange, bis sie sich entwickeln." Dem stimme auch Otto Petrowicz zu, der an der TU-München Forschung zum Thema Handy und Gesundheit koordiniert.
Greiser sieht allerdings auch eine fundamentale Schwäche der Studie: "Von den angeschriebenen Kontrollpersonen haben einfach nicht genug mitgemacht", sagt er. Besonders in Dänemark, Groß-Britannien und Finnland war das ein Problem. Sein Fazit: "Die Studie unterschätzt das Risiko."
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erklärte dazu heute in Salzgitter: "Bei der jetzt von einigen Medien aufgegriffenen Studie handelt sich um ein Teilergebnis einer größer angelegten Untersuchung, an der sich insgesamt 13 Länder beteiligen und deren Teilergebnisse derzeit zusammengeführt und ausgewertet werden." Mit einem abschließenden Ergebnis werde im Laufe des Jahres gerechnet. In der Studie werde der Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Tumoren des Zentralnervensystems und dem Verhalten von Mobilfunknutzern untersucht. Das jetzt vorliegende Teilergebnis liefere aber auch nach Aussage der Autoren keinen Beweis für die Gesundheitsgefährdung durch Handys, unterstreiche aber die Notwendigkeit weiterer wissenschaftlicher Forschung auf dem Gebiet, gerade hinsichtlich möglicher Langzeitwirkungen.
