Versatel: Kabel- statt Telefonnetz
Versatel könnte nach dem Kauf von AKF auch andere Kabelnetzbetreiber ins Visier nehmen
Der DSL-Provider Verstatel ist in den zurückliegenden Monaten stets als Übernahmeobjekt in die Schlagzeilen geraten. Konkurrent United Internet hat beim börsennotierten Wettbewerber Versatel bereits einen erheblichen Teil am Unternehmen erworben und könnte – irgendwann – die Gesellschaft vollständig übernehmen. Doch nun steht Versatel offensichtlich auf der Käuferseite: Nach dem Erwerb von AKF, einem Kabelnetzbetreiber, könnte Versatel auch einen Blick auf die anderen Kabelgesellschaften der Republik werfen. Das wäre für die gesamte Branche ein dramatischer Akt.
Kampf um Unabhängigkeit
Im Grunde genommen geht es um eine Art von Unabhängigkeit von der Deutschen Telekom. Der Exmonopolist hält nach wie vor seine Hand auf die so genannte „Letzte Meile“: Dadurch werden alle Konkurrenten, die das Netz nutzen, zu Zahlungen an die Deutsche Telekom gezwungen.
Wer das umgehen will, muss ein eigenes Netz aufbauen, was erhebliche Gelder kostet. Mit dem Start der nächsten Generation schneller Internet-Verbindungen auf der Basis von Glasfaser, könnte die Telekom sogar erneut gestärkt werden. Wenn nämlich dieser Bereich nicht der nationalen Regulierung unterliegt, brächte das für Alice, Arcor, Vodafone & Co. erhebliche Probleme.
Es geht also weiterhin um den Kampf um Unabhängigkeit von der Deutschen Telekom.
AKF als „Testlauf“
Kabelnetze gelten hier als Alternative, daher hat Versatel sich auf dem Sektor von Kabelnetzen engagiert. Der Kauf von AKF darf nach Einschätzung des Versatel-Chefs ruhig als eine Art von Testlauf gesehen werden: Mit diesem will Versatel prüfen, seine Kundschaft zu erreichen, ohne auf die Telekom angewiesen zu sein.
Für Versatel ist der Zukauf von Kunden billiger als die Investition in ein eigenes Glasfasernetz. Daher wäre es durchaus ein interessantes Unterfangen, die drei großen Kabelnetzbetreiber als Übernahme-Objekt zu sehen. Ob Versatel das allein stemmen kann, ist fraglich, allerdings gibt es ja noch den Großaktionär United Internet.
