Sie sind hier: DSL-User.de > News
 
24.08.2007 13:44

Freenet-Zerschlagung könnte Bewegung im DSL-Markt bringen

Seit mehreren Wochen läuft eine Preissenkungswelle im DSL-Bereich. Jeder der großen und mittleren Player in diesem Bereich hat seine Preise angepasst, manche sogar mehrfach.

Neben der grundsätzlichen Verringerung der Kosten für die jeweiligen Pakete haben Sonderaktionen die Preise weiter verringert: Oft sind zeitlich begrenzt zum Beispiel die einmaligen Anschlusskosten weggefallen oder neue Kunden brauchen keine Grundgebühr für einen gewissen Zeitraum zu zahlen.

Der Kampf um die Kundschaft im Wachstumsmarkt DSL wird mit allen Mitteln geführt. Wer zum Beispiel einen bestehenden Vertrag zum Ende der Laufzeit kündigt, kann damit rechnen, dass ihn früher oder später Mitarbeiter des Anbieters anrufen, um dem wechselwilligen Kunden mit Sonderkonditionen bei der Stange zu halten. So lassen sich die ohnehin signifikant rückläufigen Kosten weiter senken.

 

Inhalte statt Zugänge als Geldquelle

Strategisch steckt hinter dem Gerangel natürlich die Positionierung für die Zukunft. Und die besteht zum einen aus noch schnelleren Internet-Zugängen, zum anderen aber auch aus einer Verschiebung der Einnahme-Struktur.

Experten gehen davon aus, dass die Preise für den Zugang zum Internet weiter fallen und sich mehr oder weniger rasch gen Null annähern. Geld soll dagegen mit Inhalten verdient werden, Inhalte, wie dem Internet-Fernsehen, das durch die neuen, sehr schnellen Internet-Zugänge erst möglich wird.

Andere Möglichkeiten liegen im Pay-per-View und/oder dem kostenpflichtigen Herunterladen von Filmen, sowie Online-Spielen gegen Gebühren.

Bei einigen Anbietern zielt die aktuelle Paket-Struktur bereits in diese Richtung, zum Beispiel bei 1&1, das eine so genannte Movie-Flatrate offeriert. Ganz klar ist das Bestreben, die zahlende Kundschaft auf das zukünftige Geschäft einzuschwören.

 

Kampf um Rang zwei im Land

Noch immer rangiert ganz oben bei den DSL-Anbietern die Deutsche Telekom, deren Kundenstamm allerdings unter Druck geraten ist. Ein Grund dafür, dass die Gesellschaft eine Billig-Marke ins Leben gerufen hat. Hinter dem Platzhirschen folgt mit einigem Abstand 1&1 und danach schon Alice, die Tochter von Hansenet, die sich durch das DSL-Geschäft von AOL großgekauft hat.

Jetzt könnte es einen weiteren Ruck geben, denn es scheint, dass die Telekommunikations-Gesellschaft Freenet der Zerschlagung entgegeneilt. Drillisch, Großanteilseigner der Freenet AG, kauft weiter zu und zielt darauf, die beiden Geschäftsbereiche von Freenet, Mobilfunk und DSL, aufzutrennen: Während der Mobilfunk bei Drillisch bleiben soll, würde das DSL-Geschäft verkauft werden – eine perfekte Gelegenheit, sich einen großen Kundenstamm ins Boot zu holen.

 

Fortsetzung des Preiskampfes

Sollte sich das Szenario bestätigen, wäre durchaus mit einer Fortsetzung des Preiskampfes zu rechnen. Der Käufer des DSL-Geschäfts von Freenet würde bestrebt sein, die neue Kundschaft zu halten – die Konkurrenten würden versuchen, mit Lockangeboten diese abzuwerben.

Allerdings wäre es durchaus im Sinne des Kunden, wenn sich der Konzentrationsprozess in diesem Bereich nicht allzu weit fortsetzen würde, denn ohne Wettbewerb und bei einem zwischen wenigen Anbietern aufgeteilten Markt wären auch höhere Preise wieder salonfähig.