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Roman FSK 16
Seid mir gegrüßt, Freunde!
Hier mal ein anliegen in eigener Sache. Ich bin leidenschaftlicher Hobby-Schriftsteller und wollte mir mal ein paar Meinungen außerhalb von meinem Bekanntenkreis einholen. Da bietet sich doch dieses Board geradezu an. Ich werde hier einen kleinen Auszug aus meinem letzten Werk posten und mich eurer gnadenlosen Kritik aussetzen. Ich hoffe aber ihr gebt hier ernstgemeinte Antworten. Sehr warscheinlich werdet ihr auf rechtschreibfehler stoßen, die bitte ich dezent zu übersehen.
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Der Geruch von Blut
Thomas Hartlieb
Kapitel 1: Begegnungen
Die Nacht warf ihren schwarzen Vorhang aus und hüllte die Hälfte des Planeten in Finsternis. Viele Tiere krochen in ihre Verstecke, um den Jägern der Nacht zu entgehen. Die bleiche Sichel des
Mondes wanderte gemächlich in die Höhe, um dann am Zenit für kurze Zeit zu verharren. Mitter-
nacht brach für kurze Zeit an. Die gespenstischen Strahlen des Mondes erhellten ganz schwach die
Friedhöfe von New York.
Ian Mac Stormalong arbeitete nun schon seit zweiunddreißig Jahren als Totengräber auf einem der
Friedhöfe, und davon gab es etliche. Eine Stadt wie New York brauchte viele solcher Grabstätten.
Kein Wunder bei der hohen Kriminalitätsrate. Ian war dies eigentlich gerade recht. Sonst müßte er
sich einen neuen Job suchen, und darauf konnte er verzichten. Es machte ihm Spaß Gräber auszu-
heben und die Leichen hinein zu schmeißen. Auf seinem Friedhof gab es so etwas wie einen Sarg
nicht. Die Stadtverwaltung wollte für Mörder, Vergewaltiger und anderes Gesindel nicht mehr Geld
ausgeben wie nötig. Gerade vor einer halben Stunde begrub er die Leiche eines Killers. Der hatte
geglaubt der Beste zu sein, aber er vergaß einen ganz wichtigen Punkt. Der menschliche Körper
vertrug nicht all zuviel Blei. Die Polizei jagte ihm genau 13 Kugeln in den Leib. Eine gute Zahl, dachte der Totengräber vergnügt. Auch das Grab trug die selbe Nummer.
"Dad", hallte eine rauchige Stimme über den Friedhof.
Eine Windböe zerzauste das graue dünne Haar des Totengräbers, als er zu seinem Sohn schlurfte.
Als damals sein Sohn kam und ebenfalls Totengräber werden wollte, wer er stolz gewesen. Dies
lag nun schon fünf Jahre zurück und heute übernahm Paul, sein Sohn, die schweren Arbeiten, da
ihn nicht die Gicht plagte. Ian´s linke Hand war von der Gicht an den Gelenken angeschwollen. Er
bekam die zusammengekrümmten Finger fast nicht mehr auseinander.
"Ich hab’s fertig", informierte Paul seinen Vater". Dann laß uns den Bastard unter die Erde bringen,
die Kälte tut meinem Gicht nicht gut". Gemeinsam packten sie den letzten Toten für diese Nacht und
warfen ihn in das zwei Meter tiefe Loch. Der Leichnam schlug mit dem Kopf zuerst auf. Das Bre-
chen des Genicks konnte man genau hören. Paul kicherte und merkte, daß der nie wieder aufstehen
würde.
Ian schüttelte nur den Kopf. Sein Sohn las einfach zu viele dieser Horrorhefte, die Zeitschriften-
läden überschwemmten. Tote die wieder aufstanden, Dämonen und was es da noch alles gab. Für
ihn waren diese Dinge nur Phantastereien. Die Kälte ließ die Feuchtigkeit aus dem erhitzten Boden
aufsteigen und eine Nebelschicht bilden. Sie reichte den beiden Totengräbern bis zu den Knien.
Paul beendete seine Arbeit hastig, nahm seinen Spaten und lief hinter seinem Vater her. Sie kamen
am Grab Nummer 13 vorbei, und Paul glaubte ein Scharren zu hören. Unwillkürlich blieb er stehen
und lauschte nach weiteren Geräuschen. "Was ist jetzt schon wieder", fragte Ian genervt, als er mer-
kte, daß sein Sohn stehen geblieben war. "Ich hab was gehört, Dad. Es hat sich angehört, als würde
Jemand das Grab von innen her zu öffnen zu versuchen"! Ian Mac Stormalong schüttelte den Kopf.
Sein Sohn las eindeutig zu viel von diesem Schund.
Wieder konnte Paul das Geräusch hören. Er trat näher an das Grab heran, doch durch den Nebel
sah er nichts. Seine Neugierde zwang ihn dazu sich hinzuknien, daß er mehr sehen konnte. Tatsäch-
lich, daß frisch zugeschaufelte Grab wurde von innen her geöffnet. Deutlich sah man die Risse in der
Erde.
Plötzlich spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Erschrocken fuhr er hoch und wirbelte herum. Mit
weit aufgerissenen Augen starrte er seinem Vater ins Gesicht. "Ein schlechtes Gewissen, ha?" Paul
atmete tief durch. Er mußte den Schrecken erst verdauen. Er vergaß sogar das sich öffnende Grab.
Er hatte seinen Vater überhaupt nicht gehört. Wie lautlos er gehen konnte, wenn er wollte.
"Man, hast du mich erschreckt", sagte er noch immer geschockt. "Hast du was gesehen, weil du so
fasziniert das Grab angestarrt hast?" Da viel es Paul wieder ein. "Das Grab begann sich wieder zu
öffnen, sieh es dir selbst an, und sage mir was du davon hältst."
Der dreiundfünfzig jährige Totengräber kniete ebenfalls vor das Grab, um es durch den Nebel sehen
zu können. Auch Paul sank auf die Knie und starrte auf das Grab. Mittlerweile hatte sich ein kleiner
Hügel gebildet. "Verdammt," begann Ian zu fluchen. "Seit dreißig Jahren hatten wir keinen Maulwurf
mehr. Jetzt auf meine alten Tage kommen diese verdammten Viecher. Aber ich will kein Mac Storm-
along mehr sein, wenn ich dieses Biest nicht erlege."
Paul fiel ein Stein vom Herzen. Nur ein Maulwurf, hallte es immer wieder durch seinen Kopf. Sein
Vater predigte ihm immer wieder nicht zu viele Gruselromane zu lesen. So langsam glaubte er selbst
daran. Wie kam er nur auf die Idee, daß einer ihrer Toten wieder aufstehen würde. Davon durfte sein
Vater nichts erfahren, sonst würde dieser sich halbtot lachen.
"Dann wird man Bastard auf deinen Grabstein meißeln", dröhnte eine Stimme aus dem Grab und blitz-
schnell schoß eine Hand aus dem Grab. Erde flog zur Seite. Die Hand packte zu. Finger bohrten sich
in den Hals des Totengräbers und rissen den Kehlkopf heraus. Sofort floß Blut in die Luftröhre und
hinderte den Totengräber am atmen. Er würde ersticken. Paul saß wie erstarrt neben seinem Vater.
Er war über und über mit Blut besudelt. Er begriff nicht, was hier vor sich ging. Er las zwar über diese
Dinge, aber das waren nur erfundene Geschichten. Er mußte dies Träumen.
Doch als ein Schwall warmen Blutes in sein Gesicht spritze, begriff er, daß dies kein Traum war. Panik
ergriff ihn und ließ ihn die Flucht ergreifen. So schnell ihn seine Beine tragen, rannte er durch den Friedhof. Er wollte nur noch weg hier vom Ort des Grauens. Das er seinen Vater im Stich ließ, daran dachte er in diesem Augenblick nicht. Er wollte nur weg.
Eine Stunde später griffen zwei Streifenpolizisten den völlig verwirrten und verängstigten Paul Mac
Stormalong auf. Er erzählte ihnen was geschehen war und sie riefen einen Streifenwagen. Sie fuhren
zum Friedhof und fanden den Leichnam des Totengräbers Ian Mac Stormalong in einem frisch geöf-
fneten Sarg wieder. Sofort nahmen die Polizisten den Sohn des Totengräbers fest, da der Tather-
gang offensichtlich war. Der Sohn brachte seinen Vater um und wollte flüchten. Sie zweifelten auch
stark am Geisteszustand des Jungen, da er bei seinen Erzählungen einen lebenden Toten erwähnte
und immer wieder in hysterische Lachanfälle verfiel.
I
Eine Stunde zuvor grub sich der Killer wieder aus. Aus gebrochenen Augen blickte er auf den noch
zuckenden Körper des Totengräbers. Wenn dieser Mensch sein Leben beendet hatte, so würde sei-
ne Seele ihm neue Kraft verleihen, und das erste Einschußloch verschwand. Sie hatten versucht ihn
zu beseitigen als er ihnen zu unbequem wurde. Dabei war er ihr bester Mann gewesen. Vielleicht
glaubten sie er wäre zu gut und stellten sich eines Tages gegen ihn. Dabei war er immer loyal. Sein
einziger Fehler schien gewesen zu sein, daß er seine Opfer dem Teufel opferte. Aber der hatte sich
erkenntlich gezeigt, und ihm ein neues Leben geschenkt. Dreizehn Seelen mußte er ihm bringen und
der Killer würde mit dem ewigen Leben belohnt werden. Nun mußte er noch zwölf Menschen töten.
Warum sollte er diese Aufgabe nicht mit seiner Rache verbinden. Er würde ihnen zeigen, was es hieß
ihn hintergehen zu wollen. Sein nächstes Opfer war sein Chef, und von ihm würde er Informationen
bekommen, wer ihn erschossen hatte.
So machte er sich auf den Weg, seinen Auftrag zu erfüllen.
II
Sorgfältig reinigte er seine Waffe. Für seinen nächsten Auftrag mußte er sicher sein, daß sie gut funk-
tionierte. Seine Auftraggeber sahen es gar nicht gerne, wenn man versagte. Bisher gab es keinen Grund,
daß sie unzufrieden waren. Schnell erledigte er seine Aufträge, und nie hinterließ er irgend eine Spur.
Seine Spezialität war es entweder mit Pfeil und Bogen zu töten, oder mit Kugeln aus Eis.
Bis vor kurzem hatte es außer ihm noch einen gegeben, der auf diese Weise tötete. Nun lag dieser
auf dem Friedhof und betrachtete die Radieschen von unten. Wie sich der Mensch doch irren konnte.
Der Beste Killer aller Zeiten. Größenwahn schadete in diesem Geschäft eben doch sehr. Es gab im-
mer einen der besser war. Diese Einstellung hatte ihm schon sehr oft das Leben gerettet.
Mit einem Mal fragte er sich, wie wohl sein richtiger Name war. Seit Jahren arbeitete er unter einem
Decknamen, den er in seiner Branche brauchte. Konnte jemand seinen Namen vergessen?
Das Funktelefon klingelte und riß ihn aus seinen Gedanken. Er drückte auf die Taste mit dem Telefon-
hörersymbol. Sofort wurde die Verbindung mit seinem Gesprächspartner aufgebaut.
"Guten Tag Mr. Grey. Der Chef möchte Sie sehen und zwar um die selbe Uhrzeit. Ein Fahrer holt Sie
ab." Klick! Die Verbindung wurde unterbrochen. Das Gespräch war wie immer abgelaufen. Er legte
das Telephon aufs Bett und ging ins Bad. In einer Viertelstunde stand eine silberne Limousine vor sei-
ner Wohnung. Nachdenklich betrachtete er sein Gesicht im Spiegel. Seine blauen Augen funkelten wie
immer voller Lebenslust. Das schwarze Haar trug er zur Abwechslung einmal schulterlang. Ständig be-
dacht einen Dreitagebart zu tragen, griff er zu seinem Rasierapparat, den er auf diese Länge einstellen
konnte und stutzte seinen Bart. Sein durchtrainierter Körper glänzte vom Schweiß der vergangenen
Nacht. Er hatte sehr schlecht geschlafen. Seit er diesen "Besten Killer der Welt" erledigte, plagten ihn
Alpträume, wie er wieder auferstand. Was ja völliger Schwachsinn war.
Schnell duschte er und zog sich dann an. Den 9 mm Revolver steckte er in den Halfter am Gürtel, den
er so anbrachte, daß die Waffe im Rücken hing. Er betrachtete sich im Spiegel und war zufrieden. Er
verließ seine Wohnung, schloß ab und schritt gemütlich die Stufen der Treppe hinunter. Der Fahrer des
Wagens, der ihn abholte, wartete schon fast eine viertel Stunde. Aber es interessierte Grey nicht.
Grundsätzlich erschien er zu spät. Das machte seine Auftraggeber nervös. Es gab ihnen das Gefühl,
daß er sie nicht brauchte.
Grey erreichte die gläserne Eingangstüre und blickte hindurch. Wie erwartet stand eine silberne Li-mousine vor dem Haus und daneben stand ein völlig schwarz gekleideter Mann. Wie erfreulich, dachte Grey. Er kannte diesen Mann. Kraftvoll stieß er die Tür auf, trat ins freie und rief ihm zu: "Wie geht es ihrer gebrochenen Nase, Mac?" Haß leuchtete in den Augen des Mannes in schwarz. "Würden sie bitte einsteigen", würgte er zwischen zusammengepreßten Zähnen hervor. Er kämpfte um seine Beher-rschung. Dieser arrogante Affe glaubte doch ernsthaft, er wäre besser. Dabei hatte er nur zufällig getroffen.
Grey erkannte die schwindende Selbstbeherrschung des Mannes und bohrte weiter. Schon in der Aus-
bildung hatte er ihm das Leben zu Hölle gemacht. Er mochte die überhebliche Art nicht, mit der sein
ehemaliger Ausbildungskamerad herumstolzierte.
"Na, Mac. Ich würde aufpassen, denn so ´ne Nase ist schnell wieder gebrochen". Nun mußte Mac
tief Luft holen, um nicht doch noch die Beherrschung zu verlieren. Sein Chef würde es gar nicht gerne
sehen, wenn er hier und jetzt den Killer zu Brei schlug, während er glaubte ihm einen Job vermitteln
zu können. "Hätten Sie bitte die Güte einzusteigen. Der Boß wartet", fügte er schnell hinzu, um von
sich abzulenken.
Grey öffnete die Tür des Wagens und meinte noch im Einsteigen: "Sehr gut, Mac. Früher hättest Du
schon versucht mich anzugreifen". Kaum hatte er in dem bequemen Sitz platz genommen, als auch
schon das Auto anfuhr.
"Sie hatten auch schon besseres Personal", sagte Grey laut zu dem Mann, der mit ihm im Auto saß,
wohl wissend, daß Mac zuhören konnte. Sein gegenüber hielt ihm ein Glas entgegen, in dem zwei-
finger breit der Whiskey stand. Dankend nahm der Killer das Glas an und nippte daran. Der Whiskey
schmeckte billig und brannte ein wenig.
"Mr. Grey, ich habe ein kleines Problem mit meiner Gattin". Grey nickte nur, obwohl ihn eine andere
Reaktion plagte. Aber dies war kein Treffen unter Freunden, wo man flaksige Bemerkungen machen
konnte. Hier ging es ums Geschäft.
"Mr. Grey, haben Sie schon einmal wahre Liebe gefühlt?" Nein"! Die kann ich mir nicht erlauben, fügte
er in Gedanken hinzu. Der Auftraggeber blickte überrascht, zuckte aber dann mit den Schultern und
fuhr fort. "Wissen Sie, Mr. Grey, mir will man diese Liebe stehlen und das kann ich nicht zulassen. Sie
werden dieses Problem für mich aus der Welt schaffen. Aber so, daß meine Frau sieht, was mit Leuten
geschieht, die mir etwas stehlen wollen". Er reichte Grey einen Umschlag. Dieser nahm ihn entgegen.
"Bei diesem Auftrag habe ich zum ersten, einen kleinen Bonus draufgepackt und zum zweiten, eine
Bitte".
Der Killer betrachtete seinen Auftraggeber eingehend. Vor ihm saß ein Mann mitte vierzig, mit grauen
Schläfen, der sonst schwarzen Haarpracht. Die grauen Augen funkelten voller Verschlagenheit. Die
Hackennase verlieh ihm den Ausdruck eines Geiers. Über den dünnen Lippen wuchs ein dünner Bart.
Der blaue Nadelstreifenanzug saß so perfekt, daß er maßgeschneidert sein mußte. Und trotzdem saß
hier ein gebrochener Mann. Er mußte sich verlassen und verraten fühlen, von dem einzigen Menschen,
der ihm etwas bedeutete. "Und der wäre".
"Töten Sie diesen Bastard langsam. Er soll um Gnade winseln. Im Umschlag ist ein kleines Tonband.
Nehmen sie alles auf. Ich möchte mir seine Schreie anhören können. Grey stimmte zu, denn schließlich
ging es um einen Zuschlag von zehntausend Dollar.
III
"Hey Sie", hallte die Stimme des Nachtwächters über das Gelände der Firma Newton. Das Gelände,
das er zu kontrollieren hatte, war nicht sonderlich groß, da es sich nur um eine kleine Außenstelle han-
delte. Seit Jahren war dies der erste Einbrecher, den Sam Nixton hier auf dem Gelände sah. Es gab
ja nicht wertvolles hier. Warum die Firma überhaupt diese Außenstelle am Leben hielt versetzte ihn im-
mer wieder aufs neue ins Grübeln. Sollten hier auf dem Gelände irgendwelche Geheimnisse lauern?
Diesen Gedanken mußte er später noch einmal ins Auge fassen, nachdem er den Einbrecher der Poli-
zei übergeben hatte.
Entschlossen zog er seinen Gummiknüppel und umfaßte ihn fest am Griff. "Bleiben Sie auf der Stelle stehen"! Er versuchte seine Stimme fest und autoritär klingen zu lassen. Es gelang ihm bis auf ein leichtes Zittern in der Stimme. Der Einbrecher jedoch schritt unbeirrt weiter auf das Tor zu, daß zur Straße führte.
Wieso hörte dieser Penner nicht auf ihn? Er war doch eindeutig im Vorteil. Wut packte den Nachtwächter. "Na warte, Freundchen", dachte Sam erbost. "Ich werde dir zeigen, was es heißt mir nicht zu gehorchen". Er erhöhte sein Tempo, um den Einbrecher zu erreichen, bevor dieser das Gelände verließ.
Er sah schon seinen Chef vor sich stehen, und ihm zu dieser großartigen Tat zu gratulieren. Ja, er würde
ein Held werden, da er der Firma ihre Geheimnisse gerettet hatte. Aber was für Geheimnisse? Seine
Phantasie ging urplötzlich mit ihm durch, und er sah die verrücktesten Dinge. Während er phantasierte,
blieb der Einbrecher stehen.
Sam eilte weiter und stieß mit dem Einbrecher schier zusammen. Im letzten Augenblick blieb der Nachtwächter stehen, und setzte ein triumphierendes Lächeln auf. " Na mein Freund! Haben wir wohl geglaubt unbemerkt an mir vorbei zu kommen. Aber Sam Nixton entgeht nichts!"
"Sie haben recht mein Freund", entgegnete der Einbrecher mit einer Stimme, die einem Toten gehören
könnte, so hart und kalt klang sie.
Ein kalter Schauer durchlief den Nachtwächter. "Sie kommen jetzt mit und warten bei mir, bis die Poli-
zei eintrifft". Der Einbrecher drehte sich langsam um. "Ich glaube Sie irren sich mein Freund. Sie wer-
den hier warten, bis der Leichenwagen ihren toten Körper abtransportiert".
Blitzschnell schossen seine Hände nach oben, packten den Kopf des Nachtwächters und dreht ihn um
180 Grad. Das Knacken des brechenden Knochens war nicht laut gewesen, nicht laut, sondern es war
sehr laut gewesen. Ungeheuer laut, aber nicht laut. Gerade laut genug, um den Killer in Extase zu ver-
setzen. Die Lebensenergie des Nachtwächters durchfloß ihn und heilte das nächste Einschußloch. Nun
waren es noch elf.
Plötzlich spürte der Killer, daß etwas nicht stimmte. In ihm begann ein Feuer zu brennen. Es breitete
sich rasend schnell aus, und er glaubte zu verbrennen. Er schrie seinen Schmerz heraus und fiel auf die
Knie. Seine Hände preßte er an die Schläfen, um so den Schmerz zu unterdrücken. Doch es half nichts.
Das Feuer fraß weiter an seinem Innersten. Aus seinen elf noch vorhandenen Einschußlöchern schos-
sen blaue Flammen, die keine Hitze ausstrahlten und doch einem Verbrennungen zufügen konnten.
Höllenfeuer! Doch so plötzlich die Schmerzen begannen, so endeten sie auch. Der Killer ließ die Hän-
de in den Schoß sinken. Er existierte noch und in seinem Innersten war eine Veränderung vorgefallen.
IV
Mr. Grey kehrte in seine Wohnung zurück. Hinter sich verriegelte er die Wohnungstüre ab und zog sein
weißes Sakko aus. Sorgfältig streifte er es auf einen Kleiderbügel und hängte es an die Garderobe, die
im Flur der Wohnung hing. Er nahm den kleinen braunen Umschlag aus der Innentasche des Sakkos
und ging ins Wohnzimmer, was auch gleichzeitig sein Schlafzimmer war. Er setzte sich auf sein Sofa
und legte den Umschlag auf den davor stehenden Tisch. Er fischte eine Flasche Mineralwasser aus dem
Sprudelkasten neben dem Sofa und öffnete sie. Es zischte laut, als die Kohlensäure aus der Flasche
entwich. Grey setzte die Flasche an seine Lippen und trank einige Schlucke. Dann schloß er sie wie-
der und stellte sie zurück in den Kasten zu den anderen Flaschen.
Ich muß bald wieder einkaufen gehen, dachte er, als er feststellte, daß nur noch eine weitere volle
Flasche im Kasten stand. Auch sein Kühlschrank konnte eine Auffüllaktion vertragen. Wenn er sich
recht erinnerte herrscht im Augenblick ein gähnende Leere darin.
Behutsam nahm er den Umschlag wieder auf und tastete ihn ab. Vorsichtig rettete sehr oft Leben. Be-
sonders in diesem Geschäft. Er spürte nichts, was auf einen Draht hinwies, der den Umschlag zum
explodieren brachte, sobald der Umschlag geöffnet wurde. Seine linke Hand glitt in seine Hosentasche
und zog ein kleines Messer heraus.
Mit einem Mal roch es stark nach frischem Knoblauch. Angewidert verzog Grey das Gesicht. Welch
erbärmlicher Gestank. Es gab nichts schlimmeres für ihn, wie der Gestank von frischem Knoblauch.
Woher kam dieser Geruch nur. In seiner Wohnung gab es keinen Knoblauch und von draußen konnte
nichts einströmen, da er Fenster und Türen geschlossen hatte. Allmählich drehte es ihm fast den Magen
um. Der Geruch schien immer stärker zu werden. Rote Ringe tanzten vor seinen Augen. Nur mit viel
Mühe blieb er bei Bewußtsein. Er fragte sich nur, wie lang noch.
Der Umschlag entfiel seiner kraftlos gewordenen Hand, und Grey sank bewußtlos auf die Couch zurück. Nur eine gewöhnliche Ohnmacht war dies nicht. Er glitt nur für eine Sekunde in absolute Schwärze. Doch mit einem Mal hatte er das Gefühl, eine unsichtbare Hand würde die seine ergreifen und ihn mit sich ziehen.
Verschiedene Bilder huschten an ihm vorbei, ohne das er sie erkennen konnte und plötzlich flammte
Gesicht vor ihm auf. Gestochen scharf sah er es vor sich schweben. Es hatte schwarze kurze Haare,
denen man ansah, daß sie gefärbt waren. Dünne braune Augenbrauen wuchsen über den grünen Augen,
die viel zu eng beieinander lagen. Eine krumme Nase, die eine Wölbung nach links machte, zierte sein
Gesicht. Seine vollen Lippen erinnerten an die eines Farbigen. Grey kannte dieses Gesicht nicht. An-
gestrengt versuchte er den Hintergrund zu erkennen, doch so sehr er sich auch bemühte, der Hinter-
grund blieb verschwommen.
In diesem Augenblick fand sich Grey zusammengekauert auf seiner Couch wieder. Sein ganzer Körper
in Schweiß gebadet. Die Kleidung, die er an seinem Körper trug war völlig durchnäßt. Was war nur
geschehen, daß er so geschwitzt hatte. Er haßte es mit verschwitzen Kleidern herumzulaufen.. Er ent-
ledigte sich seiner Kleidung und eilte ins Bad, um unter die Dusche zu stehen. Eine viertel Stunde spä-
ter trat er frisch geduscht aus dem Bad. Nur mit einer Unterhose bekleidet.
Vielleicht gelang es ihm jetzt den Umschlag zu öffnen und den Inhalt zu untersuchen. Erneut nahm er
den Umschlag in die Hand. Mit seinem Taschenmesser schnitt er eine Seite auf. Das aufgeklappte
Messer legte er auf den Tisch, griff in den Umschlag und zog den Inhalt heraus. Ordentlich legte er
alles auf den Tisch. Zuerst zählte er das Geld und stellte zufrieden fest, daß es sich um dreißigtausend
Dollar handelte. Seinem Chef mußte sehr viel daran liegen, daß dieser Nebenbuhler ausgeschaltet wur-
de.
Grey betrachtete das kleine Diktiergerät. Es war viel kleiner als alles was er bisher gesehen hatte, und
wußte somit um so teurer sein. Nun nahm er den Zettel mit der Adresse uns las sie. Er wohnte also in
Manhattan. Zuerst betrachtete er das Photo des Opfers und erschrak. Dieses Haar, diese Augen, die-
ser Mund. Dies alles hatte er erst vor kurzem gesehen. Er hatte ihn in seiner Ohnmacht gesehen. Kan-
nte er ihn doch? Waren sie sich irgendwo schon begegnet?
Was zerbrach er sich den Kopf darüber. Er hatte einen Auftrag zu erledigen und somit mußte er einen
Plan erstellen, wie er diesen Nebenbuhler beseitigen könnte, ohne das die Spur zu ihm führte.
V
Sein Daddy war seit Monaten sehr fröhlich. Er spielte mehr mit ihm, machte Ausflüge und hatte ihm so-
gar das Fahrradfahren beigebracht. Sein Daddy war sehr stolz gewesen, als er ohne Hilfe von Daddy
oder Stützräder einige Meter fuhr. Geschwankt hatte er natürlich wie ein Schiff auf hoher See, aber er
hielt das Fahrrad aufrecht. Geweint hatte sein Daddy vor Freude und ihn vom Fahrrad gezogen, hoch
in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Dann hatte er etwas gesagt, was ihn wieder kurze Zeit
traurig werden ließ.
"Johnny, deine Mutter wäre sehr stolz gewesen, wenn ..!", ... sie nicht von Gott geholt worden wäre",
vollendete Johnny den Satz von Daddy. Vor drei Jahren hatte Gott sie zu sich genommen, nachdem sie
einen schweren Verkehrsunfall nicht überlebte. Nach dem Mommy nicht mehr bei ihnen war, wurde
Daddy anderst. Er trank zu Anfang immer sehr viel Alkohol. Was er nie wieder tun würde! Schon
nach dem ersten Schluck rannte er ins Bad und übergab sich. Dieser Alkohol schmeckte furchtbar.
Völlig ungenießbar.
Wieso trank sein Daddy dieses Zeug? Für Johnny unverständlich. Daddy wurde dann immer so ko-
misch. Er lachte, weinte, schrie und warf manchmal das Glas nach Johnny, wenn er kam und ihn fragte,
ob er mit ihm spielte. Ungefähr ein halbes Jahr ging es so, bis Daddy einmal traf. Eigentlich war es nicht
so schlimm, da ihn das Glas nur am Popo traf, und das nicht einmal fest, weil Daddy in diesem Zustand
keine Kraft besaß. Aber es war der Schock. Er kurierte Daddy von diesem Alkohol. Durch dieses
Zeugs hätte er fast seinen Job verloren. Daddy brauchte diese Arbeit, denn damit verdiente er das
Geld, um alles zu kaufen, was sie zum leben brauchten. Doch richtig Zeit fand er noch immer nicht für
Johnny. Mit seinen fünf Jahren verstand Johnny einfach nicht, was seinen Daddy in diese Einsamkeit
zwängte. Das Daddy einfach nur den Tod von Mommy betrauerte verstand er nicht. Natürlich fehlte
Johnny seine Mommy, aber sie war nicht mehr da, um mit ihm zu spielen, deswegen mußte eben Daddy
mit ihm spielen, wenn er von der Arbeit kam. Jedoch spielte er meist nicht mit ihm. Er kam Heim,
kochte was zu essen und verschwand im Wohnzimmer. Dort starrte er nur in den Fernseher.
Dann vor drei Monaten kam Daddy etwas später von der Arbeit. Unter dem Arm hielt er ein großes
Paket. Johnny erkannte nicht was darin war. Stumm nahm Daddy ihn bei der Hand, führte ihn ins Kin-
derzimmer und sagte ihm, er solle sich aufs Bett setzen. Johnny gehorchte, obwohl er hungrig war und
erlebte eine große Überraschung. Denn Daddy packte eine neue Carrera-Rennbahn aus und baute sie
auf. Zuletzt stellte er zwei Autos auf die Bahn. Natürlich keine echten, denn die wären ja viel zu groß.
Ein roter Porsche und ein gelber Lamborgini. Zwei Sportwagen, wie Daddy erklärte, die als richtige
Autos sehr teuer waren.
Das Wort Porsche konnte Johnny ohne Probleme aussprechen. Jedoch bei Lamborgini kam nur Lam-
borni oder Lamorni heraus. Aufgeregt nahm er einen der Steuerknübbel entgegen. Daddy erklärte, wie
man damit umging. Und sie gebannen zu spielen.
Die ersten paar Rennen gewann Daddy, da Johnny erst das Gefühl für das Spiel bekommen mußte. Bei
jeder Kurve, bei der Wagen aus der Bahn flog, quiekte Johnny vergnügt. Doch wie jedes Kind in
seinem Alter lernte er rasend schnell. Und schon bald besiegte er seinen Daddy. Sie spielten zwei Stun-
den, bis ihre knurrenden Mägen sie daran erinnerten, daß sie noch nichts gegessen hatten. Kurzer
Hand schnappte Daddy ihn und fuhr mit ihm zum Mc Donalds und aßen sich dort satt. Es war seit lan-gem der schönste Tag für Johnny. Was auch geschehen war, es gefiel Johnny sehr.
Eine Woche später erfuhr Johnny auch warum. Daddy hatte eine andere Frau kennengelernt. Er setzte
sich zu seinem Sohn und führte mit ihm ein Gespräch unter Männern. Johnny verstand das meiste nicht,
nur das sein Daddy nicht für den Rest seines Lebens alleine für ihn sorgen könne, da er den ganzen Tag
arbeiten müsse und es nicht gut für Johnny wäre, so lange alleine zu sein. Er habe eine sehr nette Frau
gefunden, mit der er gerne Leben möchte. Aber wenn Johnny sie nicht mochte, würde er sie vergessen.
Johnny kam sich sehr erwachsen vor, als er seinen Daddy so mit ihm reden hörte. Aber Johnny mochte
eigentlich jetzt schon, da sie seinen Daddy positiv veränderte.
Einen Tag später lernte er sie kennen. Und sie eroberte sein Herz im Sturm.
"Ist das meine neu Mom", hatte Johnny gefragt. " Nein, Johnny", antwortete sie vor seinem Daddy. "Ich bin nur die Renate". Sie setzte sich neben Johnny auf den Boden. "Aber wenn Du meinen Daddy heiratest, dann bist Du doch meine neue Mom". Renate lächelte Johnny liebevoll an. "Ich weiß nicht, ob
Du mich jetzt versteht, aber ich werde versuchen, es dir zu erklären". Sie legte den Arm um den fünf-
jährigen Jungen. "Deine richtige Mutter kann Dir keiner ersetzten, kleiner Mann. Aber ich will versu-
chen, Dir eine gute Freundin zu sein, mit der Du über alles reden kannst. Ich werde immer für Dich da
sein, wenn ich kann".
Johnny sah ihr in die Augen, und sie wußte, daß er sie verstand. Tränen füllten plötzlich ihre Augen. Sie
wünschte sich, daß dieser Junge ihrer wäre, aber sie selbst konnte keine Kinder bekommen, seit ...
Nein, sie wollte nicht daran denken.
Johnny spürte, daß Renate für kurze Zeit traurig war und nahm sie in seine kurzen Arme. "Ich möchte
trotzdem Mom zu Dir sagen dürfen", flüsterte er vorsichtig. Nun konnte sie die Tränen nicht mehr zu-
rückhalten. "Du darfst mein kleiner Mann. Du darfst"!
Seither besuchte sie ihn jeden Tag, um mit ihm zu spielen. Sie bewunderte ihren kleinen Mann. Ihn kon-
nte nichts erschüttern. Doch Johnny sollte noch mehr ertragen müssen.
An dem Tag, als die Tragödie geschah, war Johnny mit seinem Daddy alleine. Sie aßen gerade zu
abend, als es an der Tür klingelte. Daddy stand auf und ging in den Flur. Johnny hörte die Tür, wie sie
geöffnet wurde, ein leises Sirren und den Schmerzenschrei seines Daddy´s. Johnny sprang entsetzt auf
und rannte zur Küchentür, die einen Spalt offen stand. Ängstlich starrte Johnny auf das was im Gang
geschah.
Auf dem Boden lag sein Daddy mit schmerzverzerrtem Gesicht. In seinem linken Oberschenkel steckte
ein Pfeil. Blut tropfte aus der Wunde auf den Teppich. Vor seinem Daddy stand ein Fremder, der ganz
in weiß gekleidet war. In der einen Hand eine Armbrust, wie Johnny sie aus den Robin Hood-Filmen
kannte, nur kleiner. In der linken Hand hielt er den nächsten Pfeil, und um seinen Hals hing eine Schnur,
an der ein kleines schwarzes Kästchen hing. Johnny hörte sogar was sie sprachen. Nur verstand Johnny den Zusammenhang nicht.
"Mr. Powell! Ich komme von jemanden, dem es nicht gefällt, daß sie mit seiner Frau gesehen wurden.
Er ist ziemlich ungehalten deswegen, und er möchte, daß ich Sie daran erinnere, daß man nicht mit ver-
heirateten Frauen schläft".
Der Fremde legte den nächsten Pfeil ein, zielte und schoß. Der Pfeil sirrte durch die Luft, legte aber die
Stecke zwischen dem Fremden und Johnny’s Daddy in weniger als einer Sekunde zurück.
Erneut ein Schrei voller Schmerzen, als der Pfeil den rechten Oberschenkel seines Daddys durchbohrte.
Nun hielt es Johnny nicht mehr. Er wollte nur noch eines: Seinem Daddy helfen. Entschlossen riß Johnny die Küchentür auf und rannte schreiend auf den Fremden zu.
VI
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So, mehr möchte ich noch nicht posten, da dies sonst den Rahmen sprengen würde.
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Gruß vom Großwesir
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"Ich möchte Kalif werden!"
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