Nachdem die erste Abstimmung des ICANN Board über die Vergabe der .net Registry platzte, scheint die zweite Abstimmung am Dienstag dann doch zu einem Ergebnis geführt zu haben. Das war allerdings bereits durchgesickert, da sich der gescheiterte Mitbewerber Denic am Dienstag zur Pressestelle ICANNs und VeriSigns machte und noch vor beiden das Abstimmungsergebnis bekannt gab.
Doch das ist nur der krönende Abschluss eines (zumindest) vor Intransparenz nur so strotzenden Vorgangs. Liest man den zusammenfassenden
Abschlussbericht (PDF) der ICANN zur .net Ausschreibung, so kann man sich eigentlich nur wundern, dass keiner der abgelehnten Bewerber aus dem Verfahren ausgeschieden ist, um die entstandenen Verfahrenskosten gerichtlich einzuklagen.

Es wird zwar bemäkelt, dass der "unabhängige" Prüfer Telecordia seine eigenen Bewertungsmaßstäbe angelegt hat und damit eben nicht seiner Rolle gerecht wurde. Doch man begnügt sich (vgl. S. 21ff des Berichts) mit kleinen Korrekturen an teilweise gravierenden Fehleinschätzungen und akzeptiert das Ergebnis Telecordias, dass sich nach Einarbeitung dieser Korrekturen "keine Veränderungen an der relativen Position der Top-Bewerber zueinander ergeben".